Auf dem Weg ans Ende der Welt
26 01 2010Holà a todos
Ich bin inzwischen am Ende der Welt in Ushuaia angekommen – zumindest glauben die Argentinier, dass hier das Ende der Welt ist.
Aber fangen wir von vorne an. Ich bin vor zwei Wochen nach Chiloé, die zweit groesste Insel von Chile, gefahren. Hier lebt man noch richtig traditionell. Die Frauen stricken ihre Kleider auf der Strasse und Maenner widmen sich vorallem der Landwirtschaft – oder eben dem Tourismus. Man findet hier herzige Staedtchen, viel Landschaft, kleine Haeuser auf Pfahlstelzen und viele Pinguine. Leider fiel die Semana-Ancud, welche scheinbar DAS Festival der Insel sein soll, dieses Jahr wegen den Praesidentenwahlen aus, aber es hat sich trozdem gelohnt.
Kaum habe ich danach das Festland in Puerto Montt wieder betreten, habe ich es auch schon wieder verlassen und zwar um auf einer Faehre innert 4 Tagen nach Puerto Natales in den Sueden von Chile zu shippern. Die Faehre ist eigentlich ein Frachtschiff, nimmt aber auch Touristen mit. Lustigerweise habe ich nirgends auf meiner Reise so viele Schweizer getroffen wie auf dieser Faehre. Aber ich bin es mir inzwischen gar nicht mehr gewohnt mit fremden Leuten Schweizer Deutsch zu sprechen, deshalb hab ich den Kontakt zu den Schweizern nicht so gesucht und dagegen ein paar coole Leute von Kanada, Holland und Argentinien getroffen. Die Fahrt nach Sueden fuehrte vorbei an vielen kleinen Inslen, Fijorden und dem groessten Gletscher von Suedamerika (Pio XI).
In Puerto Natales angekommen war das Staedchen erst mal voll von Navimag (so hies das Schiff) – Leuten. Einheische und andere Touristen waren hart zu finden. Aber es ist eine lustige Erfahrung wenn man tausende Kilometer von Zuhause entfernt in einem kleinen Staedtchen ploetzlich alle kennt.
Puerto Natales ist der Ausgangspunkt zum Nationalpark Torres del Paine – einer der beruehmtesten in Suedamerika. Die typischen Kreuzfahrtpassagiere machen hier einen Stopp fuer einen Ein-Tages-Bus-Foto-Trip. Die typischen Backpacker kommen hier mit Zelt und Kueche an und Wandern fuer 4 bis 14 Tage im Nationalpark. Wir haben uns fuer etwas dazwischen entschieden und haben uns ein Auto gemietet und zwei Tageswanderungen gemacht – so konnten wir dem herumschleppen von Zelt und Kueche entkommen und hatten Platz fuer gaaaanz viele warme Kleider. Obwohl der Wind hier im Nationalpark manchmal so stark war, dass es einem regelrecht umwindete und man hier in einem Tag alle vier Jahreszeiten antrifft war es einfach eine atemberaubende Erfahrung. Vorallem als wir am zweiten Tag nach fuenf stuendiger Wanderung mit Gegenwind oben am Mirador del Torres ankamen und die Torres del Paine bei Sonnenschein bestaunen koennten – was man als Glueck bezeichnen kann, weil diese aufgrund des rauen Klimas meist von Wolke verhuellt sind. Einfach grossartig, der ganze Kampf mit dem Wind hat sich gelohnt.
Nach Puerto Natales habe ich mich entscheiden in einem 12-Stuendigen Bus Trip direkt Ushuaia anzupeilen. Die Busfahrt dauerte schlussendlich 20 Stunden weil die Magellan-Strasse wegen zu viel Wind gesperrt wurde und wir da fuer acht Stunden auf die naechste Faehre warten mussten. Schlussendlich bin ich am Samstag um drei Uhr Morgens in Ushuaia – dem Ende der Welt – angekommen. Hier ist das Klima noch rauer als in Patagonien, dafuer ist es hier einfach wunderbar, wenn sich mal fuer eine Stunde die Sonne zeigt und lustigerweise findet man auch hier immer wieder Leute vom Navimagschiff – man kann ihnen nicht entkommen.
Heute morgen war ich kurz davor ein Ticket fuer ein 10-Tages-Trip mit einem Expeditionsschiff in die Antarktis zu buchen. Ich habe ein duuuper Angebot fuer 1/3 des regulaeren Preises erhalten – was immer noch viel ist aber im vergleich was andere Leute zahlen einfach unschlagbar. Leider konnte ich meine Fluege nicht verschieben, denn es ist Hauptsaison und es ist alles ausgebucht fuer den naechsten Monat. So muss halt die Antarktis noch bis zu meinem naechsten Trip auf mich warten. Als Entschaedigung fuer die entgangene Chance werde ich mich dafuer morgen mit einem Wellnesstag in dem suedlichsten 5-Sterne-Hotel der Welt belohnen, bevor es dann wieder ab in die Waerme nach Buenos Aires geht.
Viele Gruesse aus Argentinien
Christine